Interview mit Michael Buchinger

 

Ich mache gerade ein Erasmus-Semester. Und was ja angeblich DIE Zeit der aufregenden Liebesabenteuer, der hardcore Partys, der Exzesse schlechthin ist, begann bei mir holprig mit mittelmäßigen Dates, lesbischen Frauen, denen ich viel zu hetero aussah, und Männern, denen ich viel zu laut war. Das einzige, das hardcore am Beginn meines Erasmus-Semesters war, war die Portion Liebeskummer, die mich eiskalt überraschte, da Wien ja die Stadt ist, in der ich so happily ever after mit meinem Ex-Freund vor ziemlich genau einem Jahr war.

Was letztlich alles nur darin resultierte, dass ich exzessiv teure Lippenstifte kaufte, um meinen angeblichen Hetero-Look zu perfektionieren, während ich der Verkäuferin hinterher lechzte, tausend Spritzer trank, die mich noch lauter machten und anschließend meinen Freundinnen meine Version von “All by myself” vorjaulte, was in “Aaaall by myyyyriself!” resultierte.

Kurzum: Ich brauchte Hilfe.

 

 

Und die fand ich in… (man möge ihn sich mit Mutter-Theresa-Attitude, von kleinen, dickbäuchigen Engeln gesäumt und einem fancy Heiligenschein auf seinem feschen Haupt vorstellen) Michael Buchinger.  Der österreichische Youtuber, der ebenfalls in Wien studiert, erschien mir als die perfekte Wahl, um mein Erasmus-Semester in Wien in ein Orgasmus-Semester zu verwandeln.

Nunja. Nicht wortwörtlich.

Da Michael selbst den Wiener Dating-Dschungel durchlebt hat und für mich eine lebensfreudige, sich selbst zelebrierende, sich selbst Priorität gebende Generation junger Menschen repräsentiert, musste ich ihn einfach kennenlernen, um ihm meine Fragen zu stellen.

 

Ich traf Michael also in einem Wiener Kaffeehaus und möchte seine Weisheiten, die mein Erasmus-Semester ab jetzt verschönern, mit euch teilen.

 

Myri: “Wir fangen ganz einfach mit ein paar Entweder-Oder-Fragen an: Großes oder kleines Löffelchen?”

 

Michael: “Kleines.”

 

Myri: (Glucksendes Lachen, ja, mein Diktiergerät hat alles festgehalten) “Der sein in einer Beziehung, der mehr fühlt, oder der, der weniger fühlt?”

 

Michael: “Der, der weniger fühlt.”

 

Myri: “Samt oder Seide?”

 

Michael: “Samt. Seide ist doch so kühl, oder?”


Myri: “Ja, und für die Herstellung von Seide werden die armen Seidenraupen getötet!”

 

Michael: “Nein, danke!”

 

Myri: “Eine Liebe ohne Sex oder Sex ohne Liebe?”

 

Michael: “Das kommt auf das Alter und meine Verfassung an… Liebe ohne Sex. (Michael zögert. Ich genieße es, dass es einmal nicht ich bin, die furchtbare Entscheidungen treffen muss.) Net unbedingt, also… ich will nicht…”

 

Myri: “Du musst dich entscheiden, lieber Michael.”

 

Michael: “Liebe ohne Sex.”

 

Myri: “Ein Leben ohne Alkohol oder ein Leben ohne Süßigkeiten? Merkt man, dass ich beim Konzipieren der Fragen manchmal betrunken vom Feiern kam?”

 

Michael: “Ich würde ohne Süßigkeiten leben. Wein hat immerhin Zuckergehalt!”

 

 

 

Dem pflichte ich mit einem tiefen Schluck meines Spritzers bei und gehe über zu den Date-Fragen, von denen ich mir Hilfe für meine zukünftigen Rendez-Vous erhoffe.

 

Myri: “Wo ist der beste Ort in Wien für ein Date?”

 

Michael: “Kleine Parks, die nicht wirklich sehr bekannt sind. Ich bin aber auch irrsinnig gerne im Burggarten auf Dates – sehr charmant!”

 

Myri: “Was war dein bestes Date?”

 

Michael: “Wir waren im Riesenrad im Prater und das war eigentlich ziemlich aufregend und ein Nervenkitzel, weil ich dabei bemerkt habe – ohhh, ein bisschen Höhenangst habe ich durchaus. Also etwas, das einen zusammenschweißt. Das ideale Date wäre wahrscheinlich eine Geiselnahme, irgendwas total traumatisches, bei dem du als Team zusammen rauskommst.”

 

Myri: “Oh, ich dachte, er nimmt dich als Geisel und à la Stockhholm-Syndrom wird das dann super romantisch.”

 

Michael: “Naah, das muss gemeinsam traumatisch sein!” (Gemeinsam traumatisch, so waren meine Dates eigentlich relativ oft…)

 

Myri: “Bei nicht-hetero-Dates: Wer zahlt?”

 

Michael: “Also ich lese total gerne Dating-Ratgeber und was das modernste und einfachste ist, ist, dass man die Rechnung durch zwei teilt oder jeder zahlt seines.”

 

Myri: “Gibt es in Sachen Dates etwas, bei dem du sagst 'That's soooo Wien!'?”

 

Michael: “Also die Wiener sind nicht so offen. Man kommt schwer ins Gespräch, die Wiener hassen es, wenn du einfach plaudern möchtest. Und ich glaube, da ist es schwer bei Treffen, dass beide Parteien enthemmt sind. In anderen Städten, die nicht Wien sind, würde es vielleicht schneller gehen, die Nuss zu knacken.”


Myri: “Das ist sehr schön, Wien ist die Nuss, die man erst knacken muss. Gibt es gravierende Unterschiede darin, wie Österreicher beim Dating sind? Im Vergleich zu Deutschen?”

 

Michael: “Ich habe schon einige Deutsche gedated und die wussten immer direkt, was sie wollen und haben das auch ausgedrückt. Bei Österreichern ist das erfahrungsgemäß anders – da bin ich die Person, die einen Schritt machen muss.” (Ich nicke eifrig und nehme mir vor, die Sachen in die Hand zu nehmen. Selbst ist die Myri!)

 

Myri: “Hast du in Wien schon Gay-Clubbing-Erfahrung?”

 

Michael: “Ja, als ich noch jünger war, fand ich das supertoll, weil es mir wie ein Kuchenbuffet vorkam. Aber mittlerweile gehe ich einfach gerne so aus, weil ich die Szene nicht so toll finde und mich da nicht so unterordnen will. Was gibt es so an Lesben-Clubbing, gibt es da was lustiges?”

 

Myri: “Naja, Gmix, Gspot, … Sehr subtile Namen.”

 

Michael: “Mir hat letztens eine Freundin erzählt, dass jemand dachte, es heißt nicht Gspot, sondern Cheesepot. Ist das nicht lustig?”

(Wir lachen beide, Michael sehr putzig und ich schallend wie eh und je)

 

Myri: “Denkst du, dass dir deine zahlreichen Dates eine universelle Wahrheit oder ein Urvertrauen oder eine innere Gelassenheit oder irgendwas gegeben haben, dass es rechtfertigt, auch weiterhin noch zu daten?” (Ich hoffe hierbei natürlich nur auf Hoffnung für mich, da Michael einen Freund hat. Auf Hoffnung hoffen – such a myri thing to do.)

 

Michael: “Also mir macht Dating schon Spaß, ich fand es toll, neue Leute kennenzulernen. Ich hab da nie aufgegeben, auch wenn es noch nicht ganz gepasst hatte. Außerdem hat es mir immer Stoff für Kolumnen oder Videos gegeben, wenn es schlechte Dates waren – also mein ultimativer Dating-Tipp wäre, nicht aufzugeben und Spaß zu haben an Dates.”

 

Michael hat Recht und obwohl ich mir eine komplizierte, vielschichtige Antwort gewünscht hatte, die mir plötzlich die Augen öffnet über Liebe, Dates und was ich ändern sollte, präsentiert er mir die Lösung in all ihrer Einfachheit: Dating sollte Spaß machen.

Anstatt mich locker und offen auf tolle, neue Leute einzustellen, habe ich zwanghaft nach einem Lebenspartner oder einer Lebenspartnerin gesucht, der oder die mich darüber hinwegtröstet, dass ich plötzlich als Single in Wien bin, obwohl ich letztes Jahr so verliebt durch diese Stadt gelaufen bin, dass ich mich in die Stadt gleich noch dazu verliebt habe.

 

Nach dem Interview atme ich tief durch und laufe lächelnd zu meiner Straßenbahn. So viele interessante Menschen in einer so genialem Stadt. Vielleicht habe ich ein wenig meinen Optimismus zurück.

 

 

Foto mit freundlicher Genehmigung von Michael Buchinger.

3 Comments

  • Antworten November 26, 2014

    Dennis C.

    Warum gibt es Spotted nicht für Windows Phone?

    • Antworten November 26, 2014

      Katrin

      Hallo Dennis, die Kollegen haben sich zunächst auf die Entwicklung der App für iOS und Android konzentriert, weil dies nunmal die am weitesten verbreiteten Systeme für Smartphones sind. Du kannst ja mal unter info @ spotted.de nachfragen, wie weit die Planungen zu Windows Phone gerade stehen. Bis dahin kannst du spotted am PC unter http://www.spotted.de nutzen :)

  • Antworten Dezember 2, 2014

    Tobi

    Michael wer?

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